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Notfall im Spital: Gut geplant ist halb gerettet

Februar 2015: Safety-Plus

Gute Flucht- und Rettungspläne können alle Menschen in allen Situationen lesen und verstehen. Und sie führen zuverlässig und schnellstmöglich in Sicherheit. Doch das ist gar nicht so einfach.

von Marco Wunderle

In einem Spital geht es vor allem um Menschen. Deshalb gibt es dort auch besonders viele davon: einerseits Mitarbeitende, andererseits Patienten und ihre Besucher. Hier versammeln sich Menschen allen Alters und unterschiedlicher Herkunft und Muttersprachen in teils komplexen und unübersichtlichen Gebäudestrukturen, in denen die Orientierung schnell einmal verloren gehen kann. Hinzu kommt, dass einige Patienten im Notfall nicht selbstständig fliehen und in Sicherheit gelangen können. Umso wichtiger ist eine zuverlässige Notfallplanung und -organisation.

Flucht- und Rettungspläne

Ein zentraler Teil davon sind Flucht- und Rettungspläne. Sie sollen Menschen in oder vor einem Notfall orientieren, ihnen ihre Flucht- und Rettungswege aufzeigen, Hinweise über Erste-Hilfe- und Brandschutz-Einrichtungen geben und Regeln für das Verhalten im Brandfall oder bei Unfällen vermitteln. Damit die Pläne in einem Notfall einen tatsächlichen Nutzen haben, müssen sie einfach und nachvollziehbar gestaltet werden, sodass der Weg in Sicherheit schnell deutlich und vor allem unmissverständlich ist. So lässt sich zudem Panik verhindern, und selbst die Rettungskräfte profitieren davon – sie können sich im Einsatz schneller orientieren und sicherer bewegen. Leider zeigt die Praxis häufig andere Bilder: Fluchtund Rettungspläne sind zu detailliert und unübersichtlich gestaltet oder entsprechen nicht der tatsächlichen Architektur des Gebäudes. Einige sind unverständlich, andere weisen in die falsche Richtung oder berücksichtigen unüberwindbare Hürden nicht – zum Beispiel verriegelte Türen oder versperrte Notausstiege.

Sicherheit gewährleisten

In der Schweiz sind Flucht- und Rettungspläne für viele Gebäude vorgeschrieben. Im Zentrum steht dabei die Brandschutznorm der VKF (Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen) und im Speziellen Artikel 17, Absatz 2, der besagt: Eigentümer und Nutzerschaft von Bauten und Anlagen sorgen dafür, dass die Sicherheit von Personen, Tieren und Sachen gewährleistet ist. In diesem Rahmen gilt es zu entscheiden, ob und wann Flucht- und Rettungspläne die Sicherheit verbessern. Leicht fällt diese Entscheidung für Gebäude mit grosser Personenbelegung – wie Spitäler, Schulen, öffentliche Ämter, Kinos, Verkaufsläden, Bahnhöfe oder Flughäfen – oder für Immobilien mit besonderen betrieblichen Gefahren, wie sie in der Industrie, bei Energieerzeugern oder in Betrieben mit Gefahrgütern bestehen. Auch in Bauten mit grossen und komplexen Strukturen wie in Hochhäusern, automatischen Hochregallagern oder an Produktionsstrassen geht es keinesfalls ohne. Kurz: Flucht- und Rettungspläne sind in jedem Gebäude sinnvoll und vorgeschrieben, in welchem sich Arbeitnehmer oder Besucher aufhalten.

Die Darstellung

Die Normen SN EN ISO 23601 und 7010 geben darüber Auskunft, wie Flucht- und Rettungspläne genau auszusehen haben. Die ISO 23601 gibt vor, dass die Pläne farblich angelegt sein müssen und dazu die Sicherheitsfarben und -piktogramme gemäss der ISO 7010 zu verwenden sind. Diese Piktogramme sollen den tatsächlich verwendeten Fluchtwegkennzeichen im Gebäude entsprechen. Der Massstab der Pläne darf sich innerhalb eines Gebäudes nicht unterscheiden. Jeder Standort muss mit allen Symbolen und Texten so gedreht und positioniert sein, dass der Betrachter den Plan stets lagerichtig vor sich sieht. Zudem müssen die auf das Objekt zugeschnittenen Regeln für das Verhalten im Brandfall und bei Unfällen aufgeführt werden: interne Notfallnummern, spezielle Alarmierungshinweise oder besondere Vorschriften zur Evakuierung. Hinzu kommen Angaben zum Ersteller der Pläne, dem Objekt und Stockwerk sowie das Erstellungsdatum und die Nummer des Plans.

Allerdings gibt es keine Regelung zur Art der Erstellung von Flucht- und Rettungsplänen. Sind alle nötigen Elemente vorhanden und korrekt abgebildet, können sie sogar von Hand gezeichnet werden. In der Regel hinterlassen solche Zeichnungen jedoch einen fahlen Nachgeschmack. Besonders in einem Spital braucht es unbedingt einfache, nachvollziehbare, korrekte und zuverlässige Flucht- und Rettungspläne, die Vertrauen schaffen und auch im Notfall erkennbar bleiben und schnell und sicher nach draussen führen. Denn genau zu diesem Zweck sind sie da.

Begehung und Analyse

In der Praxis bedeuten diese Richtlinien und Vorgaben in erster Linie mehr Arbeit als gedacht. Wer einen Flucht- und Rettungsplan gestaltet, muss einleitend einen genauen und realitätsgetreuen Grundriss erstellen. Ohne diese Grundlage funktioniert kein Plan zuverlässig. In einer ausführlichen Begehung des Gebäudes werden dann sämtliche Besonderheiten und Begebenheiten aufgenommen und analysiert. Jeder Flucht- und Rettungsweg wird so lange überprüft, bis der Sicherheitsbeauftragte selbst auf dem Sammelplatz im Freien steht. Alle Löschposten, Feuerlöschkästen und Erste-Hilfe-Einrichtungen auf diesem Weg werden auf Ort, Inhalt und Vollständigkeit untersucht.

In dieser Phase dürfen Sicherheitsbeauftragte nicht in Zeitdruck geraten, sondern sollen sich mit Argusaugen und viel Geduld durch den gesamten Betrieb bewegen. Oft sind Flucht- und Rettungswege durch Vorhängeschlösser verschlossen, durch gelagerte Kisten und Paletten versperrt oder durch Fahrzeuge von aussen zugeparkt. Solche Hindernisse gilt es zu beachten, präventiv zu umgehen und nachhaltig zu verhindern. Geschehen hier Fehler, ziehen sich diese anschliessend durch die gesamte Notfallplanung und -organisation.

Erstellung und Montage

Erst dann geht es an die Gestaltung und Erstellung, den Druck und die Montage der Pläne. Sie sollten gut sichtbar und an strategisch wichtigen Punkten der Flucht- und Rettungswege angebracht werden: Eingänge und Aufzüge, Stockwerkzugänge und Stempeluhren, Pausenräume und Garderoben, im Bereich von Fluchtweg-Kreuzungen oder bei Zugängen zu Gefahrenbereichen wie Labors oder Röntgenzimmer. Lang nachleuchtende Materialien oder Notbeleuchtungen können im Notfall einen entscheidenden Mehrwert bieten, sind jedoch nicht vorgeschrieben.

Neben den Raumnummern sollten markante Orientierungspunkte wie Toiletten, Schwesternzimmer, Aufzüge oder Technikräume aufgeführt werden. Aber mit Mass. Zu viele architektonische Details, bunte Symbole oder farbliche Kennzeichnungen lenken ab und verwirren. Das gilt ebenfalls für international nicht verwendete Piktogramme und schriftliche Bezeichnungen oder Ausführungen. Besonders fremdsprachige Patienten und Besucher verstehen sie nicht. Doch genau dies ist das Ziel von guten Flucht- und Rettungsplänen: Dass sie alle Menschen in allen Situationen lesen und verstehen können.

Risiko lohnt sich nicht

Wer sie vernachlässigt, nicht aktualisiert oder nicht gemäss den Richtlinien und Normen anbringt, der riskiert viel. Führen fehlerhafte Flucht- und Rettungspläne zu einem Ereignis mit dramatischen Folgen, ist nicht nur das Ansehen des Krankenhauses ramponiert, sondern auch straf- und zivilrechtlich stehen langwierige und höchst unangenehme Untersuchungen und Prozesse an. Dieses Risiko lohnt sich auf keinen Fall, zumal gute Flucht- und Rettungspläne nicht teuer sein müssen. Wem die Zeit fehlt, um sich damit zu beschäftigen, findet am Markt Gesamtpakete und kann von der Bestandsaufnahme über die Konzeption, Gestaltung, Lieferung und Montage bis hin zur regelmässigen Überprüfung der Pläne ausgewiesenen Profis vertrauen. Denn eine gute Planung ist bereits der halbe Flucht- und Rettungsweg.