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Neue Regelungen für Flucht- und Rettungspläne

März 2017: Schweizer BauJournal

Bisher waren Fluchtwegpläne in den hiesigen Vorschriften kaum erwähnt. Seit Anfang 2017 hat sich das geändert. Am 1. Januar 2017 ist das VKF Brandschutzmerkblatt erschienen. Vier Wochen später folgte die Norm für Sicherheitskennzeichnungen und Fluchtwegpläne (SN ISO 23601). Worauf ist zu achten?

Eine kurze Auffrischung: Flucht- und Rettungspläne, auch Evakuationspläne genannt, sind Aushänge, auf welchen alle sicherheitsrelevanten Einrichtungen, die Fluchtwege und der Weg zum Sammelplatz eingezeichnet sind. Zusätzlich sind alle für ein Gebäude zugeschnittenen Verhaltenstexte für verschiedene Notfälle darauf abgebildet. In diesem Zusammenhang muss man wissen: Was die Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen (VKF) vorgibt, wird von der Feuerpolizei auf Konformität kontrolliert, daher wird das Merkblatt im beruflichen Alltag von Sicherheitsbeauftragten und Brandschutzplanern einen ganz wichtigen Stellenwert einnehmen. Auch wenn das Thema Flucht- und Rettungswegpläne dort nur oberflächlich behandelt wird, sagt das Merkblatt zumindest, dass diese nach der ISO 23601 zu erstellen sind. Aus diesem Grund sollten Planersteller unbedingt dasNormenwerk beachten.

Sind Flucht- und Rettungspläne überhaupt Pflicht?

Interessant ist aber, das die Norm prinzipiell keine Aussage zur Notwendigkeit macht. Hier wird lediglich beschrieben, wie diese dargestellt werden sollen. Die SUVA hingegen fragt in ihren Checklisten zur betrieblichen Arbeitssicherheit unter anderem: «Sind Evakuationspläne an strategisch günstigen Stellen ausgehängt?». Wird mit «Nein» geantwortet, muss nachgebessert werden. Die Hotellerie Suisse, der Unternehmerverband der Hotelbetriebe, schreibt Fluchtpläne in allen Hotelzimmern vor. Und in vielen öffentlichen Liegenschaftsverwaltungen von Gemeinden, Kanton und Bund sind die Pläne in deren Gebäuden inzwischen obligatorisch.

Beim VKF heisst es nur: «Das Erstellen von Flucht- und Rettungswegplänen wird grundsätzlich empfohlen. Und: «Für das konkrete Gebäude wird eine entsprechende Notwendigkeit durch die Brandschutzbehörde vorgegeben».

Zusammenfassend kann man vielleicht sagen, es ist besser welche zu haben, aber nicht zwingend notwendig. Sofern behördlich nicht vorgeschrieben, sind die Fluchtpläne also eher eine Frage der betrieblichen Eigenverantwortung. Denn Flucht- und Rettungspläne sind nur der (kleine) sichtbare Teil, einer grossen, gelebten Sicherheitskultur. Sie erhöhen das Sicherheitsgefühl von Mitarbeitenden und Besuchern und sind der bildliche Nachweis, dass das Fluchtwegkonzept und der betriebliche Brandschutz durchdacht, kontrolliert, gepflegt und aktuell sind.