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Fluchtwege: Qualität und Quantität

Januar 2016: fmpro service

Aussergewöhnliche Situationen erfordern aussergewöhnliche Massnahmen.
Das gilt auch für Fluchtwegpläne und -kennzeichnungen. Die besonderen Gebäudegrundrisse und Einrichtungen der Kehrichtverbrennungsanlage Linth waren diesbezüglich eine Herausforderung.

Die Mitarbeitenden der Kehrichtverbrennungsanlage (KVA) Linth arbeiten in grossen, teils komplexen Gebäudestrukturen – mit aussergewöhnlichen Grundrissen und mit Einrichtungen, die in einem Gebäudeplan eines Architekten fehlen können. In einem Notfall müssen Mitarbeitende und Besucher trotzdem möglichst schnell in Sicherheit gelangen.

Kein Kerngeschäft

Dem war sich auch Stefan Ringmann, stellvertretender Geschäftsführer und Sicherheitsbeauftragter der KVA Linth bewusst. «Unsere Fluchtwege waren im Standard der Jahrtausendwende gekennzeichnet», erzählt er. «Aushängende Fluchtwegpläne gab es keine. Es war uns klar, dass hier Handlungsbedarf bestand und wir wurden vereinzelt auch schon vom Brandinspektorat und Versicherungen darauf hingewiesen. Doch gehören diese Themen nicht zu unserem Kerngeschäft und blieben deshalb eine Zeit lang liegen. Erst nach einem Generationenwechsel in der Unternehmensführung gewann das Thema massiv an Bedeutung.»
Ernstfälle gab es zwar nie, aber man führte vereinzelt Evakuationsübungen durch, vor allem mit anlagenfremdem Personal, wie Mitarbeitenden von Drittfirmen oder kleineren Besuchergruppen. «Das hat in der Regel früher schon funktioniert», sagt Ringmann, «aber nicht so gut wie heute. Wir hatten Fluchtwege mit Kennzeichnungen über den Türen, aber es fehlten beispielsweise fluoreszierende Pfeile, Signalisierungen an den Türen sowie Markierungen der Türgriffe, Handläufe und Böden. Und vor allem fehlten die aushängenden Fluchtweg- und Brandmeldepläne an zentralen Stellen in den Gebäuden.»

Gute Fluchtwege

Ringmann verabredete sich mit der CSF Wunderle GmbH und besprach die Situation und mögliche Verbesserungen. «Dieses Kennenlernen empfand ich als sehr wichtig», sagt er. «Es braucht eine Vertrauensbasis. » In einer ersten Sitzung wurden dann die vorhandenen Gebäude- und Brandmeldepläne zusammengestellt und übergeben, teilweise elektronisch, teilweise in Papierform. «Es war eine Herausforderung, von den Architekten der Umbauphase von 1999 noch vollständige Pläne zu erhalten», erzählt Ringmann. «Wir haben hier eine Kombination aus Metall- und Stahlbetonbauten. Gerade die Metallbühnen sind in den Gebäudeplänen nicht immer in klassischer Form aufgeführt.»
Für die CSF Wunderle GmbH wiederum war es eine Herausforderung, im Rahmen der gegebenen Architektur überhaupt ein richtig gutes Fluchtwegkonzept erstellen zu können. Hierzu analysierte man die Örtlichkeit während mehreren Begehungen detailliert. Dann leitete man eine Testphase ein: Drei unterschiedliche Gebäudeteile wurden nach drei verschiedenen Standards markiert, von minimal über den Standard der klassischen Industrie bis hin zu einer maximalen Ausführung mit sehr intensiven Markierungen. Parallel wurde die Ausgangssituation aufgenommen, es wurden Mängel aufgedeckt, die Pläne zusammengefügt und in ein einheitliches Format übertragen sowie ein erster Satz an Fluchtwegplänen präsentiert.

Entscheidung und Umsetzung

«Nachdem wir diese drei Levels etwas auf uns wirken liessen, entschieden wir uns für den Standard der klassischen Industrie», erzählt Ringmann. Dann konnten die Pläne übermittelt, überprüft und schliesslich endgültig produziert und angebracht werden, die Kennzeichnungen folgten in einem nächsten Schritt. Mit Besuchergruppen und mit Ferienjobbern wurden die Fluchtwege erneut getestet – erfolgreich. «Mir ist heute wesentlich wohler, wenn ich durch die Anlage gehe und sehe, dass wir den Standard haben, den wir haben sollten und dass dies Leute umgesetzt hatten, die in der Thematik spezialisiert sind», erzählt Ringmann. «Man kann in dieser Frage nämlich sehr viel falsch machen.»