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Ein neuer Präsident – und was er will

Juni 2015: Sicherheitsforum

Brandschutzberater Marco Wunderle ist neuer Präsident des 670 Mann starken VBSF. Der neue Mann an der Spitze des Vereins von Brandschutzund Sicherheitsfachleuten sagt, wo es langgeht.

In welche Richtung steuert der neue VBSF-Kapitän den Verein?

Marco Wunderle*: Grundsätzlich werde ich den Kurs meines Vorgängers Mégevand Bernard weiterverfolgen. Während meiner Amtszeit möchte ich jedoch versuchen, wieder mehr Nähe zu den anderen Institutionen zu gewinnen: Genannt seien die Swissi, die Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen (VKF), die Suva, der Feuerpolizeiverband Kanton Zürich, der Verband Schweizerischer Errichter von Sicherheitsanlagen SES und befreundete Verbände wie z.B. die Schweizerische Gesellschaft für Arbeitssicherheit SGAS. Das Netzwerken soll in Zukunft intensiviert werden, das ist mir ein wichtiges Anliegen. In den letzten zwei Jahren gab es etliche Reibungsverluste in der Branche – die Partnerschaften waren zerrüttet. Für viel Wirbel haben einerseits die neuen Brandschutzrichtlinien gesorgt, andererseits die Privatisierung der Swissi. Jetzt sind die Wogen geglättet – die Swissi, die in unserem Verein jeweils mit einer Person im Vorstand vertreten ist, arbeitet wieder enger mit der VKF zusammen.

Wo möchten Sie Akzente setzen?

Wir bieten unseren Mitgliedern einen regelmässigen Informations- und Erfahrungsaustauch. Zur Aufgabe des VBSF gehört aber auch ein branchenspezifisches Weiterbildungsangebot. Wir oder vielmehr unsere Mitglieder können bei der Swissi wie auch bei der VKF ihre Fortbildungsnachweise zur Anerkennung einreichen. Doch in diesem Zusammenhang drängt sich eine Änderung auf.

Und das wäre?

Es fehlt an Transparenz. Wir möchten in Zukunft in allen unseren Ausschreibungen für Fortbildungskurse vermerken können «VKF-, CFPA- und/oder SGASanerkannt » – inklusive der Wertung, die der Teilnehmer für den entsprechenden Kurs erhält. Diese Anerkennung war in jüngster Vergangenheit bei der VKF leider nicht immer eindeutig. Derzeit arbeiten wir respektive die VKF an einem Verfahren, wie die Anerkennung im Vorfeld einer Fachtagung geklärt werden kann. Die ersten Gespräche hierzu haben bereits stattgefunden und ich bin positiv überrascht, wie unser Anliegen bei der VKF aufgenommen wurde. Ein Antragsformular wie auch ein Kriterienkatalog sind bereits in Arbeit.

Ihre letzte Fachtagung zum Thema

Brandschutz in der Durchmesserlinie wurde von der VKF nicht anerkannt. Wo liegt das Problem?

Ich muss präzisieren: Damals wurde nur der praktische Teil der Ausbildung von der VKF abgelehnt. Wir empfehlen unseren Mitgliedern aber trotzdem, unsere Ausbildungsbestätigung der Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen als eine ganztägige Fortbildung einzureichen. Heute wissen wir, dass es nicht an unserem Ausbildungsprogramm lag, sondern daran, was wir der VKF zur Beurteilung vorgelegt hatten. Inzwischen sind diese Unklarheiten beseitigt.

Sie führen heute in Ihrem Geschäft etwas über zehn Leute. Was braucht es, um einen 600 Mann grossen Verein zu leiten?

Das Wichtigste ist wohl ein guter Vorstand – und einen solchen haben wir. Ich bin seit fünf Jahren in diesem Gremium und jeder kennt die Stärken und Schwächen des anderen. Das jetzige Team funktioniert sehr gut.

Welches sind Themen, mit denen sich der VBSF in Zukunft intensiv auseinandersetzen muss?

Die Harmonisierung zwischen dem Staatssekretariat für Wirtschaft Seco und der Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen. Das Seco macht gesetzliche Vorgaben bezüglich Arbeitssicherheit. Bei der VKF handelt es sich um Richtlinien mit gesetzlichem Charakter. In der Branche ist bekannt, dass Gesetz und Richtlinien nicht miteinander harmonisieren. Weil viele unserer Mitglieder sowohl im Bereich Brandschutz wie auch in der Arbeitssicherheit tätig sind, werden wir als VBSF uns für die Bedürfnisse unserer Mitglieder einsetzen. Ein weiteres Thema, das uns beschäftigen wird, ist das neue VKF-Berufsbild «Brandschutzfachmann und -experte». Hier möchten wir selbstverständlich die Anerkennung von der VKF für die entsprechenden Fortbildungskurse erlangen. Und schliesslich: Wir haben bis heute über 600 Mitglieder, möchten aber auch diejenigen Leute, die neu im Brandschutz- und Sicherheitsmarkt tätig sind, bei uns begrüssen können. Diesbezüglich sind Anstrengungen nötig.

Wie beurteilen Sie allgemein die Brandschutzlandschaft Schweiz?

Der «Kantönligeist» betrifft auch unse- re Branche. Ein Bauunternehmen, das schweizweit tätig ist, muss sich in jedem Kanton mit einer anderen Auslegung der Reglemente auseinandersetzen. Es wird sich zeigen, ob dies mit den neuen VKFBrandschutzrichtlinien, die seit Januar 2015 gelten, besser wird.

Was hält der neue Präsident von den neuen Brandschutzrichtlinien?

Das Ziel der VKF war ganz klar, die Wirtschaftlichkeit zu optimieren, sprich weniger Reglementierungen, ohne den Personenschutz zu vernachlässigen. Beispielsweise wird nicht mehr vorgeschrieben, dass in jedem Gebäude mehrere Feuerlöscher vorhanden sein müssen. Deshalb braucht es in Zukunft mehr Verantwortung in der Qualitätssicherung. In der Bau- und Planungsphase ruft dies nach mehr Qualitätskontrolle, dafür fallen weniger Kosten für den baulichen und technischen Brandschutz an.

Wo steht die Schweiz im internationalen Vergleich?

In der letzten Statistik, die ich gesehen habe, stand, dass es in der Schweiz rund halb so viele Brandtote je eine Million Einwohner gibt als in Deutschland. Im Vergleich zu den USA sogar nur ein Viertel. Wenn wir diesen Platz behalten können und dabei noch wirtschaftlicher werden, haben wir sicher einen guten Stand.

Hat Ihnen als Unternehmer die Mitgliedschaft im VBSF schon konkret wirtschaftliche Vorteile gebracht?

Ich bin ein sehr aktives Mitglied und mir bringt das Networking sehr viel: Bedürfnisse und Angebot treffen hier aufeinander. Wenn ich als Brandschützer konkret ein Problem habe, kontaktiere ich einen VBSF-Kollegen, der im entsprechenden Bereich Experte ist. Kontakte zu pflegen, bringt irgendwann auch wirtschaftliche Vorteile, direkt oder indirekt.

Wie wichtig ist das Lobbying zu staatlichen Organen?

Mit Behördenvertretern suchen wir den Dialog – mehr nicht. Als Verein möchten wir natürlich rechtzeitig wissen, in welche Richtung eine bestimmte Entwicklung geht. Und unser Gegenüber soll wissen, dass man auf uns zählen kann. Es versteht sich von selbst, dass wir bei Vernehmlassungen, die unsere Branche betreffen, uns zu Worte melden.

Wie steht es mit dem VBSF-Sicherheitspreis?

Er wird in diesem Jahr erneut vergeben, und zwar an der «SICHERHEIT», die im November in Zürich stattfindet. Wir werden dort im Rahmen einer Fachtagung und der Generalversammlung die Preisverleihung durchführen. Das Gewinnerprojekt wird selbstverständlich an der Messe vorgestellt.

Interview & Foto: Roger Strässle

* Seit November 2014 ist Marco Wunderle Präsident des Schweizerischen Vereins von Brandschutz- und Sicherheitsfachleuten. Der Brandschutzberater ist Geschäftsführer der CSF Wunderle GmbH in Schaffhausen.